~ Ausgewortet. ~


* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



Alte Worte erneut enthüllt. Willkommen.

* Themen
     Gedichte
     Freie Poesie
     Geschichten
     Gedanken

* Links
     ---> PETA2 <---
     - RPG-Forum -
     [Raben.herz]
     ~El Sangre~
     Radio Gothic & Mystic
     engelsschwinge








~Momente~

Die Hände tief in den Taschen ihres Mantels vergraben, geht sie den Bürgersteig entlang. In einigen Häusern brennt noch Licht, doch die meisten Fenster sind bereits dunkel. Außer dem dumpfen Laut, ihrer auf den Asphalt schlagenden Stiefel, ist kaum ein Geräusch zu vernehmen. Der Wind säuselt leise vor sich hin und weht ihr, die vom Regen durchnässten, Haare aus dem Gesicht. Sanft rinnen einige Tropfen aus ihrem Haaransatz über ihr Gesicht, finden ihren Weg zum Kinn und fallen dann zu Boden, wo sie wie kleine Kristalle zerspringen. Der Regen hat bereits nachgelassen, es nieselt nur noch leicht.

Obwohl es bereits recht kühl ist, friert sie nicht und geht langsam, aber festen Schrittes ihren Weg entlang. Sie scheint völlig in Gedanken versunken zu sein, denn ihr Blick ist starr geradeaus in die Ferne gerichtet. Die Realität verschwimmt vor ihren Augen, sie ist eingetaucht in ihre Gedankenwelt.

Plötzlich reißt der Gedankenfaden, der sie der Gegenwart fern gehalten hat ab und sie bleibt stehen. Einen kurzen Moment hängt sie zwischen Realität und Fantasie in der Schwebe, dann nimmt die Welt um sie herum wieder Gestalt an. Bäume werden wieder Bäume, die Straße wieder die Straße und das Haus vor dem sie stehen geblieben ist, wieder das Haus ihrer Eltern. Geräuschvoll atmet sie aus und legt ihren Kopf in den Nacken. Über ihr steht der noch nicht ganz volle Mond am dunkelgrauen, fast schwarzen Himmel. Wolkenfetzen hetzen in rasanter Geschwindigkeit über ihn und es scheint ihr, als würde die Zeit dahinfliegen, während sie dort unten steht und in den wolkenbehangenen Himmel starrt.

Ihre Gedanken laufen wieder, werden immer schneller, holen die Wolkenfetzen ein und überholen sie lachend. Die Nacht ist weit und ihre Gedanken fliegen hinaus und wirbeln durch die Luft, springen und tanzen umher, führen einen wilden Tanz auf, kreuzen ab und zu ihre Wege und nicken sich gegenseitig freundlich zu oder fauchen sich giftig an. Einige verirren sich an seltsame Orte, werden fallen gelassen oder unbeachtet weggeworfen, andere ausgeführt bis in Sackgassen, wo es nicht mehr weiter geht und sie sanft abgelegt werden. Erst das Schmerzen ihres Nackens lässt alle Gedanken geräuschlos fort huschen.

Sie senkt den Kopf wieder, der Regen hat ihr bereits das Make-up vom Gesicht gewaschen und läuft nun in feinen Rinnsälen ihre Wangen herunter. Lächelnd streicht sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Alle Gedanken sind fort und haben sie allein in einer eigenartigen Stimmung zurückgelassen. Tief in ihr drin lacht etwas Kleines, dass plötzlich immer größer und größer wird. Es wächst, bis es sie nahezu ganz ausfüllt. Auf einmal hat sie das dringende Bedürfnis zu tanzen, durch den Regen zu rennen und laut zu lachen. Eine eigenartige, riesengroße Freude füllt sie aus, die sie hinaus lassen muss, sonst würde sie zerrissen werden. Einen kurzen Moment noch bleibt sie regungslos stehen, dann breitet sich langsam ein Lächeln auf ihren Lippen aus.

Tief saugt sie die kühle Nachtluft in sich auf, dann öffnet sie das Vorgartentor, vor dem sie gestanden hat und rennt die Stufen zum Haus hinunter. Immer noch lächelnd drückt sie auf die Klingel...

6.1.07 21:07
 


Werbung


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lisa / Website (6.1.07 21:20)
nett


Nachtflug / Website (6.1.07 21:35)
Gefällt mir gut, nur einige Worte sind für mich nicht ganz stimmig... die Szene ist sehr bildhaft dargestellt, das find ich klasse und auch die Stimmung ist schön, nur ein paar Worte...


Theresa (8.1.07 15:34)
Fantastisch, einfach nur fantastisch! Ob es ausschließlich an der überaus gelungenen, bildhaften sprachlichen Umsetzung oder an der beschriebenen Szene als solche liegt... Man kann sich richtig in die Person hineinversetzen und in die Situation hineinträumen...


Sabine / Website (8.1.07 18:49)
Du erzeugst eine etwas entrückte, traumartige Atmosphäre, die mir sehr gut gefällt.
Einzelne Worte wirken unnatürlich "vornehm"
(Ausdrücke der gehobenen Schriftsprache sind nicht automatisch die bessere Wahl, wenn es um Stil geht), außerdem sind mir an einzelnen Stellen überflüssige Kommas aufgefallen. Ansonsten sehr schön!
Liebe Grüße, Sabine


mOEpper / Website (27.1.07 04:57)
Also ich sehe da absolut keine zu vornehmen, oder stilistisch unzutreffenden Wörter. Höchstens einige Wiederholungen ("Wolkenfetzen", "tanzen" und "Tanz"), die aber durch den Inhalt des Textes aufgehoben werden.
Insgesamt "übelzt geil" ;D
Gruß

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung