~ Ausgewortet. ~


* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



Alte Worte erneut enthüllt. Willkommen.

* Themen
     Gedichte
     Freie Poesie
     Geschichten
     Gedanken

* Links
     ---> PETA2 <---
     - RPG-Forum -
     [Raben.herz]
     ~El Sangre~
     Radio Gothic & Mystic
     engelsschwinge








Geschichten

Emily.

 

Emily. Ich habe sie erschaffen. Meine kleine Emily. Emily, die Julia heißt und die davon träumt fliegen zu können. Und irgendwie kann sie das auch. Sie ist halt Emily.

 

Neugierig? ----> www.myblog.de/rabenherz

 lg

Die Wörterin 

4.3.07 21:28


Werbung


~Momente~

Die Hände tief in den Taschen ihres Mantels vergraben, geht sie den Bürgersteig entlang. In einigen Häusern brennt noch Licht, doch die meisten Fenster sind bereits dunkel. Außer dem dumpfen Laut, ihrer auf den Asphalt schlagenden Stiefel, ist kaum ein Geräusch zu vernehmen. Der Wind säuselt leise vor sich hin und weht ihr, die vom Regen durchnässten, Haare aus dem Gesicht. Sanft rinnen einige Tropfen aus ihrem Haaransatz über ihr Gesicht, finden ihren Weg zum Kinn und fallen dann zu Boden, wo sie wie kleine Kristalle zerspringen. Der Regen hat bereits nachgelassen, es nieselt nur noch leicht.

Obwohl es bereits recht kühl ist, friert sie nicht und geht langsam, aber festen Schrittes ihren Weg entlang. Sie scheint völlig in Gedanken versunken zu sein, denn ihr Blick ist starr geradeaus in die Ferne gerichtet. Die Realität verschwimmt vor ihren Augen, sie ist eingetaucht in ihre Gedankenwelt.

Plötzlich reißt der Gedankenfaden, der sie der Gegenwart fern gehalten hat ab und sie bleibt stehen. Einen kurzen Moment hängt sie zwischen Realität und Fantasie in der Schwebe, dann nimmt die Welt um sie herum wieder Gestalt an. Bäume werden wieder Bäume, die Straße wieder die Straße und das Haus vor dem sie stehen geblieben ist, wieder das Haus ihrer Eltern. Geräuschvoll atmet sie aus und legt ihren Kopf in den Nacken. Über ihr steht der noch nicht ganz volle Mond am dunkelgrauen, fast schwarzen Himmel. Wolkenfetzen hetzen in rasanter Geschwindigkeit über ihn und es scheint ihr, als würde die Zeit dahinfliegen, während sie dort unten steht und in den wolkenbehangenen Himmel starrt.

Ihre Gedanken laufen wieder, werden immer schneller, holen die Wolkenfetzen ein und überholen sie lachend. Die Nacht ist weit und ihre Gedanken fliegen hinaus und wirbeln durch die Luft, springen und tanzen umher, führen einen wilden Tanz auf, kreuzen ab und zu ihre Wege und nicken sich gegenseitig freundlich zu oder fauchen sich giftig an. Einige verirren sich an seltsame Orte, werden fallen gelassen oder unbeachtet weggeworfen, andere ausgeführt bis in Sackgassen, wo es nicht mehr weiter geht und sie sanft abgelegt werden. Erst das Schmerzen ihres Nackens lässt alle Gedanken geräuschlos fort huschen.

Sie senkt den Kopf wieder, der Regen hat ihr bereits das Make-up vom Gesicht gewaschen und läuft nun in feinen Rinnsälen ihre Wangen herunter. Lächelnd streicht sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Alle Gedanken sind fort und haben sie allein in einer eigenartigen Stimmung zurückgelassen. Tief in ihr drin lacht etwas Kleines, dass plötzlich immer größer und größer wird. Es wächst, bis es sie nahezu ganz ausfüllt. Auf einmal hat sie das dringende Bedürfnis zu tanzen, durch den Regen zu rennen und laut zu lachen. Eine eigenartige, riesengroße Freude füllt sie aus, die sie hinaus lassen muss, sonst würde sie zerrissen werden. Einen kurzen Moment noch bleibt sie regungslos stehen, dann breitet sich langsam ein Lächeln auf ihren Lippen aus.

Tief saugt sie die kühle Nachtluft in sich auf, dann öffnet sie das Vorgartentor, vor dem sie gestanden hat und rennt die Stufen zum Haus hinunter. Immer noch lächelnd drückt sie auf die Klingel...

6.1.07 21:07


~Ein Weihnachtsmärchen~


Wenn sich draußen leise und vorsichtig eine Schneeflocke auf die andere türmt, wenn in allen Häusern ein, sich unter kitschigem Glitzerzeug biegender, Tannenbaum steht, wenn der anhängliche Weihnachtsräucherstäbchengeruch sich auch im letzten Zipfel der Kleidung festgesetzt hat und von dort das nächste halbe Jahr nicht zu verschwinden gedenken täte, gäbe es nicht so etwas wie Waschmaschinen, wenn alle Leute denen man begegnet, ein so glückseliges Lächeln aufgesetzt haben, als wären sie betrunken und ich mir die Zeit nehme, sinnlose Weihnachtsgeschichten zur allgemeinen Belustigung zu schreiben, dann ist es tatsächlich Weihnachten!

Von einem ganz normalen Weihnachtsfest des Jahres 2006, in einer ganz normalen Familie will ich euch nun hier berichten. Draußen schneite es, drinnen im Wohnzimmer stand bereits der, sich unter allem erdenklichen, kitschigen Glitzerzeugs biegende, Tannenbaum und aus allen Ecken und Kanten roch es nach Räucherstäbchen, mit dem höchst kreativen Namen "Weihnachtstraum". Unter der halbtoten Tanne stapelten sich bereits viele verschiedene Päckchen jeder Größe und zwischen all dem saß, mit dem weihnachtlich doofen Grinsen auf den Lippen, die vierköpfige Familie.
Gerade zerfetzte Jonas, der Ältere der beiden vier und ein halb jährigen Söhne, ein großes, liebevoll in Geschenkpapier eingepacktes und mit Klebefilm umwickeltes Paket und begann hektisch an dem bunten, zum Vorschein kommenden Pappkarton herumzufingern, während der Jüngere, ein blondlockiges, aufgewecktes Kind, namens Simon, vergnügt quietschend über den Teppich krabbelte, als plötzlich ein entsetzter Schrei den weihnachtlichen Frieden zerbrach.
"Das ist das Falsche! Ich wollte doch das Feuerwehrauto mit der Sirene!"
Und schon flossen erste Tränchen und den Eltern blieb nur noch ihr ratloser Blick, den sie sich gegenseitig, schwer wie Medizinbälle, zuwarfen, bevor sie gleichzeitig damit begannen, mit beschwörenden Worten auf das schluchzende Kind einzureden, für das die Welt zerbrochen zu sein schien.
Währenddessen und ohne die wachsamen Augen seiner Eltern, konnte Simon nun endlich tun, was er schon die ganze Zeit hatte tun wollen: Mit seinen rosa Patschhändchen nach den, seinen Blick benebelnden, Glitzerkugeln der Tanne grabschen. Und kaum hatte er ein Zweiglein des pieksigen Gewächses zu fassen bekommen, da zog er es auch schon zu sich heran, um es genauer betrachten zu können, ohne sich daran zu stören, dass sich der unglückselige Baum immer mehr unter seiner, doch schon recht enormen Kraft bog. Unter begeisterten Lauten zog der Säugling nun immer mehr an den Ästen der Tanne, während die Eltern immer noch damit beschäftigt waren, ihren Ältesten zu beruhigen. Doch auch die interessanteste Baumkugel wird irgendwann einmal uninteressant und so gab Simon, nach einem letzten vergnügten Laut, den Zweig wieder frei, der auch sogleich seine ursprüngliche Haltung einnahm, natürlich nicht, ohne vorher einige Male bedrohlich hin und her zu schwanken und dabei die echten Kerzen, die dem Baum eine gewisse Gemütlichkeit gegeben hatten, durcheinander zu wirbeln.
Durch die Geräusche der wackelnden Tanne abgelenkt, hörten die Eltern auf, ihr Kind zu beschwören, das Feuerwehrauto sei doch ohne Sirene viel besser für ihren Hausfrieden und drehten sich nach ihrem Jüngsten um. Ein entsetztes Kreischen war alles, was der stolzen Mutter noch blieb, bevor der Baum in Flammen aufging.
Baby Simon betrachtete das Geschehen erstaunt und klatschte, vergnügt über das schöne Licht, in die Hände. Erst der Schrei seiner Mutter veranlasste ihn dazu, sie anzugucken.
"Simon!"
Der Vater sprang auf und griff nach seinem Sohn, um ihn von den Flammen fernzuhalten, doch es war schon zu spät. Die einst so schöne Haarpracht des Knaben war einigen verkohlten Haarstummeln gewichen und das brüllende Kind strampelte auf dem Arm des verzweifelt blickenden Mannes.
In der Zwischenzeit hatte auch die Mutter ihren ersten Schock überwunden und einen Eimer Wasser geholt. Schnell wurde auch noch der zweite Sohn von den Flammen weggezerrt, der sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen hatte, um sein neues Feuerwehrauto zu testen und der Brand wurde gelöscht.
Immer noch leicht geschockt, aber dennoch erleichtert, dass das Feuer sich nicht noch auf die einhundertfünfundvierzigteilige Weihnachtskrippe ausgebreitet hatte, setzte man sich wieder zu Boden und beschloss, einfach weiterzufeiern, obgleich die restlichen Geschenke angebrannt waren und das ganze Haus nach verbranntem Weihnachtsbaum stank.
Dummerweise gab es nun allerdings auch etwas anderes, das verbrannt roch, jedoch merkte dies niemand, da schließlich alles nach einem Mischmasch aus Räucherstäbchen und Verbranntem duftete.
Erst als es einen Knall gab, der das alte Fachwerkeinfamilienhaus bedenklich schwanken und Simon in Tränen ausbrechen ließ, bemerkte die Familie, das da doch etwas nicht stimmen konnte. Und so ging man, dem Geräusch folgend, gemeinschaftlich in die Küche, wo der festliche Nudelauflauf im Ofen stand. Doch als sie die Küchentür öffneten, schlug ihnen eine stinkende, blaue Rauchwolke entgegen und hüllte sie ein. Erst als sich der Rauch gleichmäßig auf den Rest der Wohnung verteilt hatte, konnten sie sehen was geschehen war.
Die einst so liebevoll zubereitete Speise war inzwischen zu einem schwarzen, verkohlten Häuflein zusammengeschmolzen und die Auflaufform unter der großen Hitze zersprungen. Um den Ofen stand es auch nicht besser, denn irgendwie hatte es das ehemalige Weihnachtsfestessen geschafft, ihn zum Explodieren zu bringen und nun lag die rußgeschwärzte Ofenklappe mitten in der Küche und hatte einen Brandfleck auf dem teuren Parkett hinterlassen.
Gerade noch rechtzeitig konnte der Familienvater seine Frau vor einem Schädelbasisbruch bewahren, indem er die in Ohnmacht Fallende elegant auffing, bevor sie mit dem Kopf auf den Boden schlagen konnte. Er hielt sie einige Minuten in den Armen, sah ein paar Mal ratlos vom Ofen zur Bewusstlosen und wieder zurück, dann beschloss er, dass der Ofen wichtiger war, legte seine Frau vorsichtig zu Boden, wo auch die beiden Kinder kauerten und mit großen Augen das bunte Spektakel in der Küche bewunderten und sprintete zum Ofen, um ihn aus zu stellen. Die Knöpfe jedoch waren inzwischen um einiges heißer geworden, als sie es normalerweise sind und so zuckte die Hand des heldenhaften Mannes auch schon wieder zurück, kaum hatte sie das teuflische Backinstrument berührt. Unter schmerzverzerrtem Gesicht hinkte er zum Waschbecken, um sein geschändetes Körperteil mit frischem Wasser zu kühlen. Hektisch drehte er den Hahn auf und hatte selbigen aufgrund seiner zu schnellen und kräftigen Drehbewegungen ziemlich bald lose in der Hand. Verzweifelt wandte er sich zuerst an seinen Ältesten und schrie ihm zu, er solle mit Simon bei Mami bleiben, dann nahm er ein ehemals weißes, doch nun rußgeschwärztes Trockentuch, tränkte es mit Wasser und stellte dann den Ofen mit Hilfe dieses improvisierten Handschuhs aus, während das Wasser ungehindert erst das Spülbecken füllte und dann langsam, aber sicher sich auf den Küchenboden ergoss, da der Abfluss schon lange verstopft war und es nicht vernünftig abfließen konnte.
Bald schon erreichte das kühle Nass die Dame des Hauses und weckte sie unsanft aus ihrem tiefen Schlaf. Kreischend riss sie ihre Kinder vom Fußboden hoch, als würden sie in dem mittlerweile einen Zentimeter hoch stehenden Wasser zu ertrinken drohen und sah ihren Mann vorwurfsvoll an, da ihr, wie es schien, nichts Besseres einfiel. Jener hatte nun das nasse Küchentuch um seine verletzte Hand gewickelt und fingerte nach dem Telefon, das an der Wand der Küche angebracht war. Als er es in der heilen Hand hielt, guckte er erstaunt darauf und schien zu überlegen, wie er eine Nummer wählen sollte, mit nur einer Hand, denn die andere war schließlich dick eingepackt und wen es überhaupt anzurufen galt. Nach kurzem Überlegen und einem letzten Blick auf das immer noch sprudelnde Wasser, entschied er sich für einen Klempner. Erst als er schon begann, die Nummer zu tippen, fiel ihm ein, dass er gar keinen Klempner kannte und erst recht nicht die Telefonnummer eines solchen und so beeilte er sich, ein Telefonbuch zu holen.
Nachdem er selbiges herangebracht hatte, rief er auch endlich beim Erstbesten an, um vom Anrufbeantworter empfangen zu werden:
"Guten Tag, Sie sind verbunden mit dem Anrufbeantworter der Firma Meier und Co. Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und sind nach den Feiertagen wieder für Sie da. Bitte hinterlassen sie ihre Nachri-"
Verärgert schnitt er dem stets freundlichen Anrufsbeantworter das Wort ab, indem er auflegte. Beim dritten Versuch jedoch, hatte er Glück und nachdem er schnell sein Anliegen geschildert hatte, wurde ihm gesagt, dass gleich morgen jemand vorbeikommen würde, um sich das Problem einmal anzusehen. Vorher ginge jedoch nicht, da sie leider komplett ausgebucht wären. Nach einem zerknirschten "Auf Wiederhörn" knallte der Vater den Hörer an die Wand und schlug damit das Telefon kaputt. Wütend ließ er die Trümmer des Kommunikationsgerätes einfach auf den Boden fallen und eilte dann zu seiner, an den Türrahmen gelehnten und sich Luft zufächelnden Frau.
Nach einer kurzen Absprache half er ihr auf die Beine, nahm die beiden Kinder auf den Arm und ging gemeinsam mit ihnen zurück ins Wohnzimmer, wo immer noch die kümmerlichen Reste des ehemals stattlichen Weihnachtsbaumes vor sich hin rauchten. Hungrig und zum Teil durchnässt setzten sie sich auf das Sofa und beschlossen einfach, bei einer Tüte Chips den Weihnachtsfilm zu genießen, der gerade beginnen sollte. Doch kaum hatten sie den richtigen Kanal gefunden, gingen neben dem Fernseher auch noch sämtliche Lichter im Haus aus und hinterließen die Familie in einer eigenartigen, dunklen Stille.
"Die Sicherung wird rausgeflogen sein. Ich geh mal gucken." Und so machte sich der mutige Vater mit einer Taschenlampe bewaffnet auf den Weg in den Keller. Was er dort vorfand, war jedoch nicht eine rausgeflogenen Sicherung sondern ein ganzes Rudel Ratten, die sich mit einem Heißhunger auf das Hauptkabel der Wohnung gestürzt und dieses zerfressen hatten. Missmutig stiefelte er also wieder hinauf zu den anderen und erzählte ihnen von ihrer bisher unentdeckten Rattenplage. So beschloss man schließlich, nach einigen Überlegungen, trotz des Brandrisikos, einige Kerzen anzuzünden und es sich mit ein bisschen Knabberzeugs gemütlich zu machen, da nichts anderes mehr im Haus war.
So saßen also nach kurzer Zeit die vier eng aneinander gerückt auf dem Sofa und mampften Kekse und Chips. Und während das Wasser immer näher an das teure Ledersofa herankroch und sich der verbrannte Geruch langsam legte wünschte man sich eine frohe Weihnacht mit dem typischen weihnachtlich, doofen Grinsen auf den Lippen.

 

 

Wenn sich jetzt tatsächlich jemand die Zeit genommen und die Geschichte gelesen hat, dann schreibt mir doch bitte eben nen kommentar, wie ihr sie findet =)

Gruß

Die Wörterin

24.12.06 12:55


Wenn der Tod die Seele küsst...

Eine Geschichte für euch...viel Spaß beim Lesen =)

Wenn ihr sie gelesen habt, schreibt mir doch auch bitten schnell nen Kommentar, wie sie euch gefallen hat =)

 

Wenn der Tod die Seele küsst

 


Allein gehe ich den Weg entlang. Der Schnee knirscht unter meinen nackten Füßen. Die klirrende Kälte spühre ich nicht, denn mein Körper ist längst kalt. Weiß, beinahe blau ist mein Gesicht, die Lippen lila, die Hände gefaltet, den Blick starr. Winzige Eiskristalle sitzen in meinen Wimpern und leuchtend roten haaren, die im Takt meiner Schritte nach hinten geweht werden. Die grellblauen Augen sind nach vorne in weite Ferne gerichtet. Kalter Wind streichelt meinen nackten Körper.

Da erreicht der Chor meine Ohren. Er kriecht langsam in meinen Kopf, dann in den ganzen Körper. Singt mir sein Lied, das ich noch nciht versteh. Es zieht mich an. Doch meine Schritte werden nicht schneller.

Weiter vorne sehe ich jemanden auf meinem Weg stehen. Mitten im Schnee, ganz starr und unbeweglich. Nur sein schwarzer Mantel weht leicht im Wind. Die große Kapuze hält sein gesicht vor mir verstckt, als ich näher komme. Wer auch immer da steht, er macht keine Anstalten mir meinen Weg frei zu geben.

Verwundert, soweit mir das Denken noch möglich ist, bleibe ich direkt vor ihm stehen. Mein Blick ruht für einen Moment auf der Stelle, an der ich seine Augen vermute, dann streifen meine Augen an seinem Körper herunter und bleiben auf seiner Brust hängen. Sie bewegt sich nicht. Er atmet nicht. Erstaunt darüber bin ich nicht. Ganz so, als ob ich es erwartet hätte. Ich glaube einen kühlen Luftzug auf meinem Gesicht zu spühren, doch es kann nicht sein. Ich fühle nichts mehr, mein Körper ist von der Kälte betäubt. Wieder sehe ich ihm in die Augen, will sein Gesicht unter der Kapuze erkennen. Jedoch ist ein dunkler Schatten alles, was ich sehen kann und so warte ich.

Langsam hebt er seinen arm, seine Haut ist blass, beinahe so weiß wie meine und legt seine Hand vorsichtig auf meine Wange. Meine Haut beginnt unter seinen Fingern zu glühen, bevor er mir mit der Hand über den Nacken streichelt. Überall, wo er mich berührt kehren die Gefühle zurück.Der kalte Wind lässt mich frieren, als er mich in die Arme schließt. Seine Hände streichen über meinen ganzen Körper. Eisig kalt sind sie, obgleich ich unter ihm zu brennen scheine. Keiner von uns beiden gibt einen Laut von sich, der Chor ist verstummt, als er mich umschlingt und an sich presst, an seinen schwarzen Mantel. Ich kann Kälte durch den Stoff spühren, sie scheint von ihm auszugehen.

Langsam beginnen wir uns hin und her zu bewegen, im Takt einer stummen Musik. Zärtlich streichelt er mich weiter, während ich zu tanzen beginne. Meine Hüfte wiegt unter seinen Händen hin und her, dann gibt er mich frei und sieht mir stumm und unbeweglich zu, wie ich durch die kalte Wintersnacht tanze. Die Kälte gräbt sich wieder unbarmherzig in meinen Körper und er nimmt mich erneut zu sich und beginnt mit mir zu tanzen.

Geschmeidig, fast anmutig wirken wir wohl, wie wir uns so durch den Schnee bewegen. Ich kann Musik in meinen Ohren hören und weiß doch, dass sie nicht existiert. Aber ich bin mir ganz sicher, dass er die Musik macht, sie mir in die Gedanken schickt.

Lange tanzen wir, nie müde werdend, es scheint eine Ewigkeit. Der Wind weht ihm die Kapuze vom Kopf und ich weiß, dass es kein zurück mehr gibt, als ich in seine kalten, hellblauen Augen eintauche, in ihnen versinke. Seine Umarmung wird fester, er umklammert meine Talie und meinen Nacken. Doch es ist mir nicht unangenehm. Ich presse mich fest an ihn. Obwohl ich ihm noch nie begegnet bin, weiß ich genau, was er tun wird.

Unser Tanz wird wieder ruhiger, nur noch leicht wiegen wir hin und her, als seine Finger mir zärtlich durch die Haare fahren, dann über mein gesicht, hinunter zum Kinn, bevor er seine Hand wieder in meinen Nacken legt und mich küsst. Es ist ein langer, anhaltender Kuss. Ich kann fühlen, wie meine Lebenskraft schwindet und seine Kälte mich auszufüllen beginnt.

Meine Beine sind Taub vor Kälte, die Brust erfriert mir. Meine Augenlider flattern. Die Augen blitzen ein letztes Mal feucht auf, eine Träne des Glücks läuft über meine Wange, bevor sie am Kinn gefriert. Ich schließe meine Augen vor der Welt, zu schwach als dass ich sie noch länger auf halten könnte. Das Letzte was ich sehe ist sein kühler aber liebevoller Blick. Noch immer kann ich seine Lippen auf meinen spühren. Musik kleingt in meinen Ohren, die Schwäche überfällt mich und ich würde zusammen sacken, hielte er mich nicht an sich gepresst. Noch einmal flattern meine Augenlider, dann erstarren auch meine Gesichtszüge.

Ich kann nicht mehr spühren, wie er sich wieder von mir löst und meinen Körper sanft in den Schnee bettet. Die roten Haare umranden mein Gesicht und machen die erstarrte Schönheit vollkommen. Ein letztes Mal blickt er auf meinen Körper herunter, dann dreht er sich um und geht.

Hinter ihm verweht der Wind seine Spuren, als wäre er nie da gewesen...

 

(Datum: 10.2006)

18.12.06 21:28





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung